Diese Seiten enthalten vier aufeinander folgende Szenen im äußeren Rand sowie in der Hauptspalte, die die verschiedenen Phasen des Seder darstellen. Die erste Phase auf Folio 156v, "Lass jeden, der hungrig ist, kommen und essen; lass alle, die bedürftig sind, kommen und mit uns Pessach feiern." ... illustriert den Segen des Karpas (grüne Kräuter, wahrscheinlich Sellerie), das als Appetitanreger gegessen wird; mit zugeneigter Geste überreicht der Hausherr es seiner Gattin. Der traditionell große Seder-Teller steht auf dem Tisch, auf ihm liegen die Speisen, die im Laufe des Pessach-Mahls gegessen werden - drei übereinander gestapelte Matzot, ein Salatherz, bittere Kräuter (Maror) und ein Lammbein, das das Pessach-Lamm symbolisiert. Daneben zeigt die zweite Szene zwei aufeinander folgenden Momente des Rituals - das Brechen der Matza, die Hälfte derer vom Hausherrn aufbewahrt wird und das Entfernen des Seder-Tellers vom Tisch vor dem Abschnitt Maggid ("Lies die Haggada").

Auf der nächsten Seite (Fol. 157) stellt ein Kind die vier Fragen, die essenziell sind für die Lesung der Haggada. "Warum ist die Nacht anders als alle anderen Nächte..."

Im Anschluss an die Anweisungen in der Zeile über der Illustration wird ein weiteres Glas Wein eingeschenkt; wir sehen einen Jugendlichen eben diese Geste ausführen. Wenn die Antworten auf die vier Fragen - "Einst waren wir Sklaven...," - rezitiert werden, stellt der Junge den Teller zurück auf den Tisch, genau so, wie das Ritual es vorschreibt.

Obgleich vergleichbare Szenen in sephardischen, aschkenasischen und italienischen Manuskripten zu finden sind, ist die Darstellung des gesamten Ablaufs eher ungewöhnlich. Viele Details basieren zudem auf einzigartigen Auslegungen.

Auszug aus The Jewish Religion: A Companion, von Rabbi Louis Jacobs, herausgegeben von Oxford University Press.