Das rituelle Brechen und Verstecken einer der drei zeremoniellen Matzot unter der Tischdecke, auf das auf der nächsten Manuskriptseite Bezug genommen wird, ist nur selten abgebildet. Um den Tisch herum sitzen sechs Personen: zur Linken ein bärtiger Mann, auf einem großen goldverzierten, holzgemaserten Stuhl sitzend, eine mit hebräischen Lettern bezeichnete ‘Matza’ in der Hand, die er soeben dem zeremoniellen Korb zu seiner Seite entnommen haben mag. Ihm gegenüber eine Frau, gewiss seine Gattin, die die Hälfte der Matza (den Afikoman) unter der Tischdecke versteckt, wie es im Text vorgeschrieben wird. Die anderen dargestellten Personen - zwei Mädchen und zwei Jungen - unterstreichen die Ansicht, dass dieses Ritual dazu dient, das Interesse der Kinder aufrecht zu erhalten. Der Text auf der gegenüberliegenden Seite beschreibt, wie die Kinder die vier rituellen Fragen rezitieren.

Die dekorative Umrandung wird von vielen spielerischen Szenen zum Leben erweckt. In der oberen rechten Ecke bietet ein Hund einem nackten, schlotternden Mann seine Kleider; zur Linken, in einem weiteren Rollentausch, bläst ein Hase angesichts eines Hundes ins Jagdhorn; aus der linken Ecke beobachtet ein anderer Hase die Szene. Gleichwohl zeigt der untere Rand eine traditionelle Jadgszene: Ein hornblasender Jäger trägt seine Beute an einem Stab über der Schulter, zwei Hunde vor ihm bedrohen ein flüchtendes Kaninchen. Im äußeren Rand reitet ein Mann, nur mit einem federverzierten Hut und einem Schild bekleidet, auf einem Hahn. Weiter unten sitzt ein Tier mit Lanze rittlings auf einem Esel. Wie auch anderswo im Manuskript treten hier Eicheln als Motiv in der Umrandung hervor.