Palacio de Liria, Madrid, Spanien

Die Alba Bibel

Ein herausragendes Beispiel für Manuskript-Illumination und die allererste kastilische Übersetzung der hebräischen Bibel mit Kommentar.

1,046 Seiten enthalten die erste kastilische Übersetzung der hebräischen Bibel, ausgeführt von Rabbi Moses Arragel auf Geheiß von Don Luis de Guzmán, Ritter des Ordens von Calatrava.

Von 1422 bis 1430 im spanischen Maqueda angefertigt.

Eine streng limitierte Faksimile-Edition von 500 nummerierten Kopien

ISBN 84 60418 650
Preis: £41,000.00

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Folio 1v - Links oben, in einer Kathedrale, sitzt Don Luis de Guzmán ... Mehr »

Maqueda, Kastilien - 1422

Der hochrangige Kleriker Don Luis de Guzmán beauftragt den namhaften Gelehrten Rabbi Moses Arragel de Guadalajara mit einem höchst bedeutsamen Projekt: Er soll die Bibel vom Hebräischen ins Kastilische übersetzen und einen ausführlichen Kommentar zusammenstellen. Übersetzung und Kommentar sollen in einem prächtig illustrierten und illuminierten Manuskript zusammengefasst werden. Die Treue zu seinem Volk und seinen Vorfahren ließ den Rabbiner nur widerwillig zustimmen, einen Text zusammenzustellen, der seinem Gefühl nach im Widerspruch zum christlichen Denken stand und deshalb das spanische Judentum Angriffen aussetzen würde.

Der Druck seitens der kirchlichen Autoritäten zwang ihn jedoch schließlich zum Nachgeben. 1430 wurde das heute als Alba Bibel bekannte Manuskript fertiggestellt. Es hätte durchaus ein Symbol der Hoffnung werden können für jene Juden und Christen, die, ehe die jüdische Präsenz im mittelalterlichen Spanien ihr tragisches Ende nahm, versucht hatten, die jüdisch-christlichen Beziehungen zu verbessern. Stattdessen scheiterten ihre Versuche, und die von der Inquisition angefachte Feindseligkeit gipfelte in der Vertreibung von 1492. Von nun an wird dieses Manuskript, das damals wahrscheinlich noch ungebunden verworfen wurde, die ihm zugedachte Rolle spielen können.

Die Alba Bibel ist nicht nur ein herausragendes Beispiel spanischer Manuskriptillumination. Es ist ein Relikt des allerletzten Versuches seitens jüdischer und christlicher Gelehrter, die Wogen zu glätten, die schließlich in die Katastrophe der Vertreibung mündeten. Die Veröffentlichung des Faksimiles symbolisiert und zelebriert die Versöhnung und das wachsende Verständnis in unserer Zeit. Folio 49r - Der zweite Traum Josephs ... Mehr »

Jüdische Kultur durchdrang einst alle Bereiche des spanischen Lebens und dieser Einfluss ist selbst heute, 500 Jahre nach der Vertreibung, noch spürbar. Die erfolgreiche Integration des jüdischen Beitrags basierte auf Jahrhunderte währenden friedvollen Beziehungen.

Das elfte Jahrhundert sah in vielen Bereichen die absolute Gleichstellung von Juden und Christen. Im zwölften und dreizehnten Jahrhundert wirkten Juden bei der Übersetzung der griechischen Klassiker wie Platon und Aristoteles mit. Durch die Übersetzung arabischer Versionen ins Hebräische und der Unterstützung christlicher Gelehrter bei der Anfertigung lateinischer Übersetzungen waren sie maßgeblich an der Wiederbelebung der Antike in Europa via Spanien beteiligt. Ferner wurden jüdische Werke, unter anderem Maimonides' "Führer der Verwirrten", vom Arabischen ins Hebräische und schließlich ins Lateinische übersetzt, und konnten so einen starken Einfluss auf christliche Gelehrte wie Albertus Magnus und Thomas Aquinas nehmen.

Folio 57v - Dan: Ritter mit rosé-beiger Flagge, die einen geflügelten Drachen zeigt ... Mehr »

Rabbiner wie Moses Nachmanides und David Kimchi belebten das spanische Judentum mit ihrem Wissen und ihrer Weisheit und halfen eine Gesellschaft zu erzeugen, die Bücher nicht nur ihrer Inhalte, sondern auch ihrer äußeren Schönheit wegen schätzte. In einen Brief an seinen Sohn beschwor Juda ibn Tibbon diesen: "Mache Bücher zu deinen treuen Gefährten und Bücherregale zu Deinen Gärten und Plätzen. Speise in ihren Obsthainen; pflücke die Früchte darin, sammle Rosen, Gewürze und Myrrhe. Und ist Deine Seele leer und erschöpft, so wandle von Garten zu Garten, von Feld zu Feld, von Ausblick zu Ausblick..."

Folio 59r - Initiale auf der Titelseite des Buchs Exodus

Im Jahre 1422, in einer Phase der Beruhigung der zumeist sehr intensiven antijüdischen Resentiments in Spanien, kam Don Luis de Guzmán, Großmeister von Calatrava, zu der Überzeugung, dass nur eine kastilische Übersetzung der hebräischen Bibel die Christen lehren könne, die Besonderheiten der jüdischen Lehre zu verstehen und zu tolerieren. Sie müsste von jemandem ausgeführt werden, der gleichzeitig in der Lage sein würde, einen jüdischen Kommentar zum biblischen Text zusammenzustellen.

Die Entscheidung Don Luis', der als hochrangiger Kleriker über enorme Macht in Kastilien verfügte, war an sich bemerkenswert. Er wurde darauf aufmerksam gemacht, dass ein gewisser Rabbi Moses Arragel aus der kastilischen Provinzstadt Maqueda ein solches Projekt bewältigen könne. Er beauftragte den Rabbiner mit der Anfertigung des Werks und stellte ihm eine großzügige Entlohnung in Aussicht. Der Rabbiner zögerte. Er hatte gute Gründe, anzunehmen, dass die Offenlegung des jüdischen Bibelverständnisses die Feindseligkeit gegen die Juden - und insbesondere gegen ihn selbst - nach sich ziehen würde. Er lehnte den Auftrag nachdrücklich ab, indem er darauf verwies, dass das jüdische Gesetz das Illustrieren von Bibelmanuskripten untersagte. Sein Widerstand entzündete einen lebhaften Briefwechsel mit dem Großmeister, der uns zum Glück erhalten geblieben ist.

 
Folio 77r - Der siebenarmige Leuchter. Diese ganzseitige Illustration, die bis an den unteren Rand der Seite ... Mehr »

Die ersten fünfundzwanzig Folien der Alba Bibel enthalten detallierte Transkriptionen der Korrespondenz zwischen Don Luis und Rabbi Moses. Sie dokumentieren deren Verhandlungen bis zu dem Punkt, an dem der Rabbiner den Auftrag - wider seiner eigenen Überzeugung - schließlich annimmt. Eine ganzseitige Miniatur, die den Abschluss der Verhandlungen dokumentiert, zeigt Don Luis de Guzmán gleich König Salomo auf dem Throne sitzend, während der Rabbiner ihm niederkniend den fertigen Kodex überreicht. Zwei Mönche, ein Franziskaner und ein Dominikaner, wurden dem Rabbiner als Assistenten zugeteilt - zweifellos, um seine Arbeit zu überwachen. Eine Anzahl von christlichen Künstlern wurde mit der Illustration des Textes beauftragt. Das Ergebnis ist wahrhaftig ein Meisterwerk. Die Alba Bibel, benannt nach ihrem endgültigen Besitzer, ist das wichtigste Manuskript, das aus der Regierungszeit König Johann II. überlebt hat.

Die Alba Bibel, mit ihren 513 Folien und 334 Miniaturen, ist ein großartiges Werk visueller Kunst. Doch noch bedeutender ist der umfangreiche Kommentar, den sie enthält. Rabbi Moses bewies Unabhängigkeit und großen Mut: Obgleich er sich den Gefahren für sich selbst und die gesamte jüdische Gemeinde bewusst gewesen sein musste, machte er weder in seiner Übersetzung noch in seinem Kommentar Zugeständnisse an das christliche Denken.

Das Werk ist reich an Auszügen aus rabbinischen Schriften wie den Targumim, den Midraschim und dem Talmud, aber auch aus späteren Werken wie dem Sohar - der Hauptquelle der jüdischen Mystik. Möglicherweise hat Rabbi Moses den Künstlern genaue Anweisungen für die Illustrationen gegeben und sie mit speziell jüdischen Deutungen der darzustellenden Szenen ausgestattet. Die angefertigten Illustrationen sind kulturelle Belege von hoher Bedeutung, denn sie stellen auch zeitgenössische Waffen, Musikinstrumente, Möbel und Kleider dar. Die Zusammenarbeit zwischen dem christlichen Auftraggeber und dem jüdischen Autor und Übersetzer machen die Alba Bibel zu einem wichtigen Aspekt in den zumeist gestörten christlich-hebraistischen Beziehungen, deren Wurzeln bis in die Antike reichen.

Folien 68v-69r - Die Flucht der Israeliten... Mehr »

Rabbi Moses Arragel

Vor diesem sozialen Hintergund ist es umso bemerkenswerter, dass es Rabbi Moses Arragel in den meisten Fällen gelang, die jüdische Sicht darzustellen: Kein anderes der uns erhalten gebliebenen Manuskripte enthält so viele rabbinisch inspirierte Miniaturen.

Kain tötet seinen Bruder Abel wie eine Schlange durch einen Biss in den Hals, so wie es im Sohar überliefert ist; rituelle Tempelgegenstände sind genauso dargestellt wie in hebräischen Bibeln, die aus derselben Epoche stammen.  Wir wissen, dass Rabbi Moses Arragel das Manuskript am Freitag, dem 2. Juni 1430 in Maqueda fertiggestellt hat, jedoch lange Zeit danach immer noch nicht entlohnt worden ist. Schließlich verliert sich seine Spur. Die meisten Juden aus Maqueda konvertierten am Ende des fünfzehnten Jahrhunderts zum Christentum, doch unter den Getauften taucht der Name Arragel nicht auf. Die Alba Bibel bleibt somit sein einziges Denkmal.

Öffentliche Disputation

Nachdem das Manuskript an jenem Freitag im Jahre 1430 die Hände des Rabbiners verlassen hatte, wurde es offenbar von franziskanischen Zensoren in Toledo für lange Zeit, vermutlich bis 1433, unter die Lupe genommen. Die Franziskaner gaben es weiter an die Universität von Salamanca, wo ein Dominikaner namens Juan de Çamora es ein weiteres Mal prüfte und es dann zwecks abschließender Prüfung dem franziskanischen Kloster in Toledo übergab. Letztere Prüfung kulminierte in einer öffentlichen Disputation, in der Theologen, Ritter, Juden und Mauren ihre Ansichten diskutierten. Im Anschluss daran verschwindet das Manuskript, bis es 1622 in der großen Bibliothek des Palacio de Liria, Sitz des Großherzogs von Alba und Berwick, wieder auftaucht; seitdem ist es dort untergebracht.

Folio 29v - Der Kain-und-Abel-Kreis... Mehr »

Don Luis de Guzmán

Glücklicherweise ist der Auftraggeber der Alba Bibel, Don Luis de Guzmán, eine wichtige und wohlbekannte politische Persönlichkeit in der Geschichte Spaniens. Ironischerweise konnte ihm die Bibel wegen eines drohenden Krieges niemals zeremoniell überreicht werden; die prächtig dargestellte Szene fand wahrscheinlich niemals in der Wirklichkeit statt.  

Von den wenigen Informationen aus der unsicheren Regierungszeit Johann II. (1406-54) gehört die Alba Bibel zu den wichtigsten, die überlebt haben. Trotz der antijüdischen Ausschreitungen und den Massenkonversionen des vierzehnten und fünfzehnten Jahrhunderts, verfügte das spanische Judentum über eine große Wiederherstellungskraft. Dieses einzigartige Werk beweist, wie ein aufgeklärtes Individuum trotz der überwiegend feindseligen Einstellung gegenüber den Juden und des drohenden Problems der Konversos doch den Versuch wagen konnte, den überwältigenden negativen Trend in den jüdisch-christlichen Beziehungen umzukehren.

 

Die ersten fünfzig Seiten des Manuskripts enthalten Rabbi Moses Arragels ‘Memorandum’. Im Kommentar-Band wird es von Moshe Lazar wie folgt beschrieben:

Nachdem er klargestellt hat, dass es nicht seine Absicht gewesen sei, den christlichen Glauben zu kritisieren oder gar zu verunglimpfen, sondern, entsprechend des Wunsches seines Auftraggebers, die ganze rabbinische Auslegung in Verbindung mit den davon abweichenden Ansichten christlicher Gelehrter zu präsentieren, verweist Arragel den Leser auf die Methode seiner Darstellung:

  1. Wenn es keine wesentlichen Unterschiede zwischen dem christlichen und dem jüdischen Verständnis eines Konzeptes, eines Verses oder der beabsichtigten Bedeutung eines Abschnittes gibt, sollte sein Kommentar für Anhänger beider Religionen akzeptabel sein;

  2. Falls er es hier und dort versäumt haben sollte, die unterschiedlichen Meinungen christlicher und jüdischer Ausleger deutlich voneinander abzugrenzen, ist der christliche Leser aufgefordert, jeden Kommentar, der den Grundsätzen seines Glaubens widerspricht, als jüdische Meinung aufzufassen – und nicht als Verneinung seines Glaubens; ebenso soll der jüdische Leser eine seinen Glaubensgrundsätzen widersprechende Meinung als christliche Auslegung begreifen, die der Autor einer Liste von abweichenden Meinungen entnommen hat, die ihm von Mönchen übergeben worden ist – und nicht als die Meinung eines jüdischen Auslegers oder Rabbiners;

    Folio 186r - Der Tod Abimelechs während der Belagerung von Thebes.
  3. Fundamental voneinander abweichende Auslegungen werden deutlich hervorgehoben, indem der Leser in den einleitenden Bemerkungen zu den jeweiligen Kommentare darauf aufmerksam gemacht wird;

  4. Die ausgewählten Kommentare sind die besten, die er in der rabbinischen Tradition und in dem von den Mönchen aus Toledo und Salamanca zur Verfügung gestellten Material finden konnte;

  5.  Da sein Werk lediglich als eine Zusammenstellung exegetischen Materials gedacht sei –  wobei es dem Leser überlassen bleibt, Meinungen, die seinen Glauben schwächen würden, zu akzeptieren oder von sich zu weisen – schlägt Arragel als Titel für seine wissenschaftliche Unternehmung „la memoratiua“ („Das Memorandum“) vor. Möglicherweise hatte Arragel den hebräischen Terminus Technicus ‚Yalkut’ (Sammlung) im Sinn, den mittelalterliche Anthologien von Midraschim häufig tragen, beispielsweise das Werk Yalqut Shim’oni.

Arragel stellte auch ein Glossar für Verwirrte zusammen, in dem er mehrere hundert Wörter und Konzepte erklärt, haupt sächlich Latinismen, Neologismen und technische Begriffe – einschließlich solcher, die Grundsätze der christlichen und jüdischen Bibelauslegung bezeichnen.

Folio 183v - Für die Schlacht gegen Midian erwählt Gideon die Israeliten, die aus ihren Händen trinken... Mehr »

Danach folgen die biblischen Bücher in folgender Reihenfolge:

Pentateuch
Genesis
Exodus
Levitikus
Numeri
Deuteronomium

Vordere Propheten
Josua
Richter
1. Samuel
2. Samuel
1. Könige
2. Könige

Hintere Propheten
Jesaja
Jeremia
Ezechiel
Hosea
Joel
Amos
Obadja
Jona
Micha
Nahum
Habakuk
Zefanja
Haggai
Sacharja
Maleachi

Schriften
Die Psalmen
Sprichwörter
Hiob
Daniel
Esra
Nehemia
1. Chronik
2. Chronik
Hohelied
Rut
Klagelieder
Kohelet
Esther

 
Seine Majestät König Juan Carlos I. und Sophía von Griechenland, Königin von Spanien.

1992

Im Jahre 1992 widerrief Seine Majestät Juan Carlos von Spanien den fünfhundert Jahre alten Befehl der Vertreibung der Juden; er war niemals offiziell aufgehoben worden. Mit diesem ernstgemeinten Angebot, die Jahrhunderte zuvor von der Inquisition begangenen Verbrechen wiedergutzumachen, sind die Juden schließlich wieder offiziell in dem Land willkommen geheißen worden, aus dem ihre Vorfahren vertrieben wurden und wo alte Gemeinden in der Zwischenzeit wieder aufgebaut worden sind.

Auftrag des Faksimiles

Diese präzedenzlose Umkehrung des Schicksals wurde mit der Veröffentlichung einer prachtvollen Faksimile-Edition dieses einzigartigen Manuskripts zelebriert. Nachdem der Herzog von Alba großzügigerweise gestattete, ein Faksimile von dem Meisterwerk anzufertigen, erhielten die Herausgeber des Faksimiles der Alba Bibel den folgenden Auftrag von dem neuen Auftraggeber Señor Mauricio Hatchwell Toledano: „Ich will das allerschönste Faksimile, das jemals produziert worden ist – nicht mehr und nicht weniger…".

Der prächtige Einband des Faksimiles, mittels Blinddruck von allen Seiten aufwendig verziert.

Ebenso wie das originale Manuskript von einer starken Führungspersönlichkeit initiiert worden ist, stammt die Idee für das Faksimile von Mauricio Hatchwell Toledano, der treibenden Kraft hinter dem International Jewish Committee Sepharad ´92 und dem Gründer der spanischen Fundación Amigos de Sefarad. Hatchwell Toledano entschied sich für die Alba Bibel als Verkörperung für den Geist des Jahres 1992, in dem die längst aufgegebenen Hoffnungen derer, die fünf Jahrhunderte zuvor dafür gekämpft hatten, wiederbelebt und erfüllt worden sind.

Mauricio Hatchwell Toledano

Mitteilung vom Vorsitzenden der Sepharad '92

Dank der Entdeckung der Neuen Welt steht das Jahr 1492 für einen enormen Schritt in der Menschheitsgeschichte. Darüberhinaus markiert es ein Ereignis, das das Schicksal Spaniens für immer geprägt hat. Die in jenem Jahr beschlossene Vertreibung der Juden schwächte nach Ansicht von Professor John Eliott das Fundament der spanischen Monarchie zu Beginn ihrer imperialistischen Unternehmungen.

Die spanischen Juden verstanden Sefarad nicht als Exil, sondern als Heimat. Nur in wenigen Fällen, wenn überhaupt, hat eine jüdische Gemeinde solch einen Glanz, solch einen Ruhm über solch einen langen Zeitraum - beinahe 500 Jahre - erreicht.

Die Übersetzungsschule von Toledo, der Wiege der modernen spanischen Sprache, ist ein herausragendes Beispiel dieses Goldenen Zeitalters, jener glücklichen Epoche, in der gewissenhafte Gelehrte aller drei monotheistischen Religionen, Kinder des einen Gottes, in harmonischer Zusammenarbeit und in diesem einzigartigen und wahrlich außergewöhnlichen Fall ein bißchen mehr Licht und ein bißchen mehr Hoffnung in Form von TOLERANZ in die Welt bringen konnten.

1992 markierte die Fünfhundertjahrfeier der abrupten Unterbrechung eines Zeitalters, das noch heute Ehrfurcht gebietet. Um diese spirituelle Odyssee zu begehen, die Teil des jüdischen Erbes ist, gründeten sephardische und aschkenasische Juden gemeinsam das International Jewish Committee Sepharad ´92. Seine Mitglieder, bestehend aus Juden und Nichtjuden, setzten sich aus dem Foundation Friends of Sefarad, jüdischen Gemeinden aus aller Welt und den wichtigsten nordamerikanischen und europäischen jüdischen Organisationen zusammen. Ehrenvorsitzender war der Nobelpreisträger Elie Wiesel. 

Wir, das International Jewish Committee Sepharad ´92, wünschen eine ausgewogene Darstellung der Geschichte, insbesondere unserer eigenen, zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Das Jahr 1992 soll nicht nur an die Tragödie gemahnen, die wir durchgingen, sondern auch Anlass sein, die gesamte Welt anzuerkennen und ihr zu helfen:

  1. Die Geschichte unserer Vorfahren in Spanien kennenzulernen, die nicht nur als Folge von Intoleranz gemartert, sondern durch die Vergesslichkeit der Geschichtsschreibung ein zweites Mal begraben wurden.

  2. Die Welt - Juden wie Nichtjuden - daran zu erinnern, was bedauerlicherweise für selbstverständlich gehalten wird, was jedoch wieder und wieder betont und wiederholt werden muss: an den jüdischen Beitrag, sephardisch und aschkenasisch, zur westlichen Zivilisation. Darüberhinaus haben die Juden als das Volk des Buches mit der Wiederauferstehung des Staates Israel in der vergangenen Generation ihre Fähigkeiten in der Agrarwirtschaft, der Hochtechnologie und der Kunst des militärischen Überlebens unter Beweis gestellt.
  3. Die Botschaft vorangegangener Jahrhunderte anzuerkennen: dass TOLERANZ eine wünschenswerte Zivilisationsform für die Menschheit und eine Formel für den Fortschritt der Zukunft aller Nationen ist.

"Vergesslichkeit führt ins Exil, doch Erinnerung ist das Geheimnis für Erlösung".

Mauricio Hatchwell Toledano

James Brockman, Meister- buchbinder, löst das Manuskript zum Fotografieren aus seinem Einband.
Der welt bekannte israelische Fotograf David Harris in seinem "Studio" im Keller des Palacio der Liria in Madrid. Er steht hinter einer Sinar Großformat-kamera mit optischer Bank und Reflex-Schirmen.
James Brockman löst die Nähung, so dass die einzelnen Seiten zum Fotografieren flach ausgelegt werden können.
Nach dem Fotografieren werden die Bilder in Madrid entwickelt und im Labor geprüft, bevor sie für die Farbtrennung an Facsimile Editions in Mailand weitergegeben werden.

Produktion des Faksimiles

Unnnachgiebig in seiner Forderung nach bester Qualität, beauftragte Maurico Hatchwell Toledano Facsimile Editions, das Faksimile nach bisher unübertroffenen Standards herzustellen und dabei die erlesensten Materialien zu verwenden sowie das beste Handwerk einzusetzen.

Das entworfene Papier empfindet das exakte Gefühl und die Opazität des originalen Pergaments nach; es wurde speziell für dieses Faksimile in Italien gewalzt. James Brockman, Meisterbuchbinder aus Oxford, löste die Manuskriptseiten aus der Bindung, damit jedes einzelne Folio zum Fotografieren flach ausgelegt werden konnte. Der israelische Fotograf David Harris brachte seine Ausrüstung aus London und Jerusalem nach Madrid, um das Manuskript zu fotografieren. Er benutzte einen speziell für diesen Zweck produzierten Großformatfilm und entwickelte alle Bilder im selben Labor, um eine gleichmäßige Farbgebung zu gewährleisten. Im Laufe des folgenden Jahres kamen mailändische Farbtrenner regelmäßig mit Linda Falter und dem Drucker im Palast zu Madrid zusammen, wo die Druckfahnen jeder einzelnen Seite mit dem Original verglichen wurden, bis die größtmögliche Farbübereinstimmung erzielt wurde.

Jeder einzelne Pinselstrich, jeder einzelne Goldklecks wurde untersucht und im Faksimile reproduziert. Während der gesamten Produktionszeit blieben Michael and Linda Falter in Mailand und beaufsichtigten die Arbeit der Handwerker. Die Atmosphäre rund um die Herstellung des Originals in Maqueda nachempfindend, wurden Spezialisten aus ganz Europa in Mailand zusammengebracht, um sicherzustellen, dass das Faksimile dem Original so weit wie möglich glich.

Der Einband

Der originale Einband des Manuskripts ist nicht erhalten geblieben. Deswegen richtete man sich sowohl bei der Herstellung des Einbands für das Faksimile als auch des neuen Einbands für das Original nach einem blindgeprägten Mudéjar Einband, der zur selben Zeit und im selben geografischen Raum wie das Manuskript hergestellt wurde. Dieser befindet sich jetzt in der Kathedrale von Toledo. Eine enorm schwierige Aufgabe für den Buchbinder Angelo Recalcati, der in einem Atelier außerhalb von Mailand tätig ist, war es, Marokko Ziegenleder zu finden, das groß genug war, um die Buchdeckel zu umhüllen.

Präsentation im Palast

Der Höhepunkt des ein Jahr dauernden Projekts der Herausgabe fand am 31. März 1992 im Pardo Palast in Madrid statt, als Seiner Majestät König Juan Carlos von Spanien eine Kopie des Faksimiles der Alba Bibel präsentiert wurde. Zu diesem Anlass widerrief er den Befehl der Vertreibung der Juden aus Spanien und hieß deren Nachfahren – und alle Juden – in Spanien wieder willkommen.

Lediglich 500 Kopien des Faksimiles und des begleitenden Kommentarbandes sind produziert worden. Die Herausgeber sind fest davon überzeugt, dass sie, indem sie dieses mittelalterliche Meisterwerk einer größeren Öffentlichkeit zugänglich machen, die Wünsche seiner Macher erfüllen und die Atmosphäre von Toleranz und Verständigung erschaffen werden, nach der jene gestrebt und um die sie – wie viele nachfolgende Generationen – vergeblich gebetet hatten. Obgleich fünf Jahrhunderte später als man sich gewünscht hätte.

Seine Majestät König Juan Carlos I. und Königin Sophía heißen Michael Falter im Pardo Palast zu Madrid willkommen.
31. März 1992Mauricio Hatchwell Toledano überreicht die ersten beiden Kopien der Alba Bibel an König Juan Carlos I. von Spanien und den israelischen Präsidenten Chaim Herzog.
Linda Falter diskutiert mit seiner Majestät König Juan Carlos I. und Königin Sophía über die Herstellung des Faksimiles.
 

Das Faksimile sollte nicht nur als reines Schönheitsobjekt betrachtet werden, denn diejenigen, die das Manuskript herstellten, dachten in erster Linie an die Worte und der darin enthaltenen Botschaft. Letzteres in Betracht ziehend, beauftragte Mauricio Hatchwell Toledano führende Wissenschaftler, um detaillierte Erläuterungen und Analysen des Manuskripts zu liefern. Die Ergebnisse ihrer Arbeit erscheinen in einem eleganten, aufwendig illustrierten Kommentar-Band, der von dem hervorragenden Typographen Gerald Cinamon (assistiert von Anthony Kitzinger) entworfen worden ist. Die Kapitelaufmachungen sind von dem Meisterkalligraphen Satwinder Sehmi entworfen und handgezeichnet worden. Der Kommentar-Band stellt das Manuskript in seinen historischen Kontext - die Zeit bis zur Vetreibung - und wird von Jeremy Schonfield, Spezialist für mittelalterliche Manuskripte und jüdische Kultur, herausgegeben.

Der Kommentar-Band bietet eine detaillierte Beschreibung des Inhalts jeder einzelnen Seite.

Shlomo Ben-Ami, zu jener Zeit israelischer Botschafter in Spanien, beschreibt den Beitrag des sephardischen Judentums zur spanischen Zivilisation.

Sonia Fellous-Rozenblat vom CNRS und Professorin für Jüdische Kunst am Institut National des Langues et Civilisations Orientalesin Paris untersucht im Detail den Hintergrund der Auftragsvergabe für das Manuskript und beschreibt die Symbolik der prächtigen Ikonographie. Sonia Fellous hat mittlerweile eine wunderschön illustrierte Beschreibung der Ikonographie des Manuskripts veröffentlicht: Histoire de la Bible de Moïse Arragel (Somogy éditions d’art, France ISBN 2-85056-516-4)

Folio 224v - Joab tötet Amasa während der Verfolgung des Benjaminiten Scheba... Mehr »

Adriaan Keller, Doktorand an der Universität Leiden, untersucht die Kodikologie und Paläographie des Manuskripts.

Moshe Lazar, Professor für Vergleichende Literaturwissenschaft am UCLA, befasst sich mit der Übersetzung und dem Kommentar im Manuskript.

Angus McKay, Professor für Mittelalterliche Spanische Geschichte an der University of Edinburgh, erörtert die jüdisch-christlichen Beziehungen zur Zeit der Anfertigung der Alba Bible.

Der Kommentar-Band kommt, ergänzend zum Faksimile, in einem Einband aus Marokko.

 
Kodikologie
  • Größe ungefähr 405 x 295 x 110mm.
  • Größe der Seiten variiert. 1.026 Seiten. 513 Folien von 1 bis 513 nummeriert, ein zusätzliches Dokument.
Papier
  • Mehrere Jahre der Forschung und Entwicklung gipfelten in der Herstellung eines Papiers, das dem Pergament des Originals entspricht. Dieses Papier ist von einer kleinen Maufaktur in den Alpen hergestellt worden und ähnelt dem, das wir für die Faksimiles der Kennicott-Bibel, des Rothschild Miscellany und der Barcelona Haggada verwendeten; es ist weitläufig als Papier mit der größten Ähnlichkeit zu Pergament anerkannt. Das pH neutrale, 160 gsm Papier ist unbeschichtet und speziell für dieses Faksimile entwickelt worden.
Farbtrennung & Druckfahnen
  • Die Farbtrenner haben Laserscan-Technik mit sorgfältiger Handarbeit kombiniert, um die Farbtrennungen für die ersten Druckfahnen vorzubereiten. Diese Druckfahnen wurden anschließend vom Farbtrenner, dem Herausgeber und dem Drucker mit dem Original in Madrid verglichen und gegebenenfalls verbessert. Neue Druckfahnen wurden hergestellt und nochmals mit dem Original verglichen. Für einige Seiten wurden bis zu vier Sätze von Druckfahnen hergestellt, um die exakte Übereinstimmung mit dem Manuskript zu gewährleisten. 
Druck
  • Das Faksimile wurde im Offset-Verfahren in bis zu zwölf Farben gedruckt. Jedes einzelne Blatt wurde unter der ständigen kritischen Aufsicht der Herausgeber gedruckt, die den Verlauf des gesamten Druckes in Italien begleiteten.
Gold & Silber
  • Die drei verschiedenen Arten von Gold und Silber im Manuskript sind gewissenhaft kopiert worden.
  • Erhöhtes Gold und Silber wurde mithilfe eines einzigartigen Verfahrens reproduziert, das eigens von den Herausgebern des Faksimiles entwickelt worden ist. Handwerker trugen das Blattmetall auf jede Seite einzeln auf und wendeten dabei ein spezielles Schichtverfahren an, mithilfe dessen das Gold wie im Original leicht erhöht werden konnte.
  • Flaches Gold und Silber wurde mithilfe von hauchdünnem Blattmetal aufgetragen und, wenn nötig, zusätzlich bedruckt, um die breite Palette von Goldfarben und -strukturen originalgetreu wiederzugeben. Für die Illuminationen, die im Original mit einer Bürste aufgetragenes Gold enthalten, ist Goldpulver verwandt worden.
  • Da viel des Silbers im Manuskript angelaufen ist, wurde eine weitere Technik entwickelt, um oxidiertes Silber, flaches als auch erhöhtes, nachzubilden.
Löcher
  • Die Seiten des Manuskripts enthalten viele Löcher, die entweder natürlich in den vom Schreiber augewählten Häuten auftreten oder im Laufe der Jahrhunderte von Buchwürmern hineingefressen worden sind. Diese Löcher sind im Faksimile reproduziert worden.
Schneiden
  • Jede Seite ist unter Berücksichtigung der Unregelmäßigkeiten auf die Größe und Form des Originals zugeschnitten und anschließend an den Kanten künstlich vergilbt worden.
Einband
  • Da der originale Einband des Manuskriptes nicht mehr existiert, wurde ein Marokko-Ziegenleder Einband im Mudéjar-Stil aus der selben Zeit gewissenhaft kopiert. Die hölzernen Buchdeckel zieren blindgeprägte ineinander verschlungene geometrische Muster und sind mit massiven Kupferschließen an Lederriemen versehen. Das Original ist in der Kathedrale von Toledo untergebracht. Die Lagen wurden per Hand zusammengenäht; die Größe und die Anordnung der Lagen in der originalen Alba Bibel sind gewissenhaft eingehalten worden.
Edition
  • Streng limitiert auf 500 Kopien
  • 150 Founder's Copies in speziellen Präsentationsschubern mit abgerundeten Buchrücken aus Leder, nummeriert von 1 bis 150
  • 300 Kopien in repräsentativen Schubern mit rechteckigen Buchrücken, nummeriert von 151 bis 450.
  • 50 Ad-Personam Kopien, nummeriert von I bis L
Zerstörung der Druckplatten
  • Nach der Fertigstellung der fünfhundertsten Kopie wurden die Druckplatten vernichtet, um den Investitionswert der Edition zu gewährleisten.
Widmung
  • Jedes Faksimile wird auf Wunsch mit einem von unserem Kalligraphen angefertigten Zertifikat geliefert, das eine Widmung an die Familie des Besitzers oder des Empfängers enthält.
Versand, Verpackung & Versicherung
  • Preis schließt robuste Schutzverpackung, weltweite Zustellung und Versicherung ein.
  • Kurierzustellung, in der Regel mit UPS.
  • Internationaler Nachtexpress normalerweise ohne Aufpreis verfügbar.
  • Elektronische Rechnung und Daten zum Nachvollzug der Bestellung werden direkt per E-Mail zugesandt.
 
KaufDer Preis der Alba Bibel beträgt £41,000.00. Zum Kauf »